Gesetz zu dem Rah­men­über­ein­kom­men des Euro­pa­rats vom 1. Febru­ar 1995 zum Schutz natio­na­ler Min­der­hei­ten (Mind­Schu­ÜbkG)

Germany

vom 22. Juli 19971 2

Der Bun­des­tag hat mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes das fol­gen­de Gesetz beschlossen:

Arti­kel 1 [Zustim­mung zum Rahmenübereinkommen]

Dem in Straß­burg am 11. Mai 1995 von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land unter­zeich­ne­ten Rah­men­über­ein­kom­men vom 1. Febru­ar 1995 zum Schutz natio­na­ler Min­der­hei­ten ein­schließ­lich der Erklä­rung vom 11. Mai 1995 wird zuge­stimmt. Das Rah­men­über­ein­kom­men mit einer amt­li­chen deut­schen Über­set­zung und die Erklä­rung vom 11. Mai 1995 wer­den nach­ste­hend veröffentlicht.

Arti­kel 2 – Gesetz zur Aus­füh­rung des Arti­kels 11 Abs. 1 des Rah­men­über­ein­kom­mens des Euro­pa­rats vom 1. Febru­ar 1995 zum Schutz natio­na­ler Min­der­hei­ten (Min­der­hei­ten-Namens­än­de­rungs­ge­setz – MindNamÄndG)

§ 1 [Namens­füh­rung in der Minderheitssprache]

  1. Eine Per­son, auf die sowohl das Rah­men­über­ein­kom­men zum Schutz natio­na­ler Min­der­hei­ten als auch deut­sches Namens­recht Anwen­dung fin­den, kann durch Erklä­rung gegen­über dem Standesbeamten 
    1. eine in die Spra­che der natio­na­len Min­der­heit oder Volks­grup­pe über­setz­te Form ihres Namens anneh­men, wenn ihr Name einer sol­chen Über­set­zung zugäng­lich ist (begriff­li­che Übertragung),
    2. einen durch Ver­än­de­rung der Schreib­wei­se ihres Namens an eine der Spra­che der Min­der­heit oder Volks­grup­pe ent­spre­chen­de Lau­tung ange­gli­che­nen Namen anneh­men (pho­ne­ti­sche Über­tra­gung) oder
    3. einen frü­her in der Spra­che der natio­na­len Min­der­heit oder Volks­grup­pe geführ­ten Namen anneh­men, wenn die­ser Name in eine deut­sche Form über­tra­gen oder in einen ande­ren Namen geän­dert wor­den ist; dabei reicht es aus, dass der oder die Erklä­ren­de die frü­he­re Namens­füh­rung glaub­haft macht.

    Der Stan­des­be­am­te, in des­sen Bezirk der oder die Erklä­ren­de den gewöhn­li­chen Auf­ent­halt hat, ist für die Ent­ge­gen­nah­me der Erklä­rung zustän­dig. Wird ein Fami­li­en­buch geführt, so ist der Stan­des­be­am­te zustän­dig, der das Fami­li­en­buch führt. Die Lan­des­re­gie­run­gen wer­den ermäch­tigt, durch Rechts­ver­ord­nung die Zustän­dig­keit einem ande­ren Stan­des­be­am­ten zu über­tra­gen. Ergibt sich danach kei­ne Zustän­dig­keit, ist der Stan­des­be­am­te des Stan­des­amts I in Ber­lin zuständig.

  2. Name im Sin­ne die­ses Geset­zes ist der Geburts- oder Vor­na­me, den eine Per­son nach den Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs sowie des Per­so­nen­stands­rechts zu füh­ren hat.
  3. Die per­so­nen­stands­recht­li­chen Vor­schrif­ten über die Schreib­wei­se blei­ben für den nach Absatz 1 ange­nom­me­nen Namen maßgebend.
  4. Die Erklä­run­gen nach Absatz 1 müs­sen öffent­lich beglau­bigt oder beur­kun­det wer­den; sie kön­nen auch von den Stan­des­be­am­ten beglau­bigt oder beur­kun­det werden.

§ 2 [Ände­rung von Geburts­na­men und Ehenamen]

Eine Ände­rung des Geburts­na­mens erstreckt sich auf den Ehe­na­men des oder der Erklä­ren­den nur dann, wenn sich der Ehe­gat­te durch Erklä­rung gegen­über dem Stan­des­be­am­ten der Namens­än­de­rung anschließt; § 1 Abs. 1 Satz 2 bis 5 und Abs. 4 gilt ent­spre­chend. Auf Kin­der oder deren Ehe­gat­ten erstreckt sich eine Namens­än­de­rung nur nach Maß­ga­be der Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetzbuchs.

§ 3 [Gebüh­ren­frei­heit]

Für die Ent­ge­gen­nah­me der Erklä­run­gen und ihre Beglau­bi­gung oder Beur­kun­dung wer­den Gebüh­ren nicht erhoben.

§ 4 [Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten]

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern wird ermäch­tigt, im Beneh­men mit dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz und mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes zur Durch­füh­rung die­ses Geset­zes Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten zu erlassen.

Arti­kel 3 [Inkraft­tre­ten]

  1. Die­ses Gesetz tritt am Tage nach sei­ner Ver­kün­dung in Kraft.
  2. Der Tag, an dem das Über­ein­kom­men nach sei­nem Arti­kel 28 für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Kraft tritt, ist im Bun­des­ge­setz­blatt bekanntzugeben.

Das vor­ste­hen­de Gesetz wird hier­mit aus­ge­fer­tigt und wird im Bun­des­ge­setz­blatt verkündet.

Ber­lin, den 22. Juli 1997

Der Bun­des­prä­si­dent
Roman Her­zog

Der Bun­des­kanz­ler
Dr. Hel­mut Kohl

Der Bun­des­mi­nis­ter der Jus­tiz
Schmidt-Jort­zig

Der Bun­des­mi­nis­ter des Aus­wär­ti­gen
Kin­kel

Der Bun­des­mi­nis­ter des Innern
Kan­ther

  1. BGBl. II S. 1406[]
  2. Die Über­schrif­ten in [] sind nicht amt­lich[]

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