För­de­rung einer eigen­stän­di­gen Kultur

In sei­nem Arti­kel 5 will das Rah­men­über­ein­kom­men des Euro­pa­rats zum Schutz natio­na­ler Min­der­hei­ten sicher­stel­len, dass Ange­hö­ri­ge natio­na­ler Min­der­hei­ten ihre Kul­tur pfle­gen und wei­ter­ent­wi­ckeln und ihre Iden­ti­tät bewah­ren können.

Arti­kel 5 Absatz 1 des Rah­men­über­ein­kom­mens ent­hält eine Ver­pflich­tung zur För­de­rung der hier­zu not­wen­di­gen Bedin­gun­gen. Er nennt vier wesent­li­che Bestand­tei­le der Iden­ti­tät einer natio­na­len Minderheit.

Arti­kel 5 [För­de­rung der eigen­stän­di­gen Kul­tur; Schutz vor Assimilierung]

  1. Die Ver­trags­par­tei­en ver­pflich­ten sich, die Bedin­gun­gen zu för­dern, die es Ange­hö­ri­gen natio­na­ler Min­der­hei­ten ermög­li­chen, ihre Kul­tur zu pfle­gen und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und die wesent­li­chen Bestand­tei­le ihrer Iden­ti­tät, näm­lich ihre Reli­gi­on, ihre Spra­che, ihre Tra­di­tio­nen und ihr kul­tu­rel­les Erbe, zu bewahren.
  2. ….

Arti­kel 5 Absatz 1 des Rah­men­über­ein­kom­mens ver­pflich­tet die Ver­trags­staa­ten, die Rah­men­be­din­gun­gen zu för­dern, derer es zur Pfle­ge und Wei­ter­ent­wick­lung der Kul­tur und zur Bewah­rung der Iden­ti­tät von Ange­hö­ri­gen natio­na­ler Min­der­hei­ten bedarf.

In die­ser Bestim­mung stellt das Rah­men­über­ein­kom­men aus­drück­lich klar, was die­se beson­de­re Iden­ti­tät aus­ma­chen kann und des­halb in ein wirk­sa­mes Kon­zept zum Schutz natio­na­ler Min­der­hei­ten und ihrer Ange­hö­ri­gen ein­ge­bun­den sein muss:

  1. die Reli­gi­on,
  2. die Spra­che,
  3. die Tra­di­tio­nen und
  4. das kul­tu­rel­le Erbe.

Aller­dings bedeu­tet dies nicht, dass alle eth­ni­schen, kul­tu­rel­len, sprach­li­chen oder reli­giö­sen Unter­schie­de zwangs­läu­fig zur Ent­ste­hung natio­na­ler Min­der­hei­ten führen.

Mit der Bezug­nah­me auf „Tra­di­tio­nen” wer­den aller­dings kei­ne Bräu­che gut­ge­hei­ßen oder hin­ge­nom­men, die inner­staat­li­chem Recht oder völ­ker­recht­li­chen Nor­men zuwi­der­lau­fen. Auch tra­di­tio­nel­le Bräu­che unter­lie­gen nach wie vor den Beschrän­kun­gen, die sich aus den Erfor­der­nis­sen der öffent­li­chen Ord­nung ergeben.

Bild­quel­len:

  • Wen­di­sches Mäd­chen: Wil­liam Krau­se (1875 – 1925)

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